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[261]
Gefolgschaftsbetreuung und
Freizeitgestaltung

[262] Vorhalle im
"Deutschen Haus".
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Für die im Generalgouvernement tätigen Reichsdeutschen ist eine
Betreuung im wahrsten Sinne des Wortes erforderlich, da jeder, von Heimat und
Familie losgelöst, besonderen Gefahren, aber auch vielen
Widerwärtigkeiten des täglichen Lebens ausgesetzt ist. Das Ziel der
deutschen Verwaltung war es daher, für die im Distrikt Warschau lebenden
Deutschen einen Mittelpunkt zu schaffen und ihnen zu günstigen
Lebensbedingungen und geistigen Anregungen zu verhelfen.

[263] Speiseraum.
[264] Bierstube im "Deutschen Haus".

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So wurde als Mittelpunkt des Deutschtums in Warschau das frühere
Ministerratsgebäude zum "Deutschen Haus" umgebaut, das in seiner
großzügigen Anlage und seinem streng klassizistischen Stil schon
von aussen den Eindruck deutscher Art erweckt. Dieses Gebäude hat in den
etwa 300 Jahren seines Bestehens ein vielgestaltiges Schicksal erlebt:
Zunächst war es ein Adelspalast des Fürsten Radziwill, dann wurde
es als öffentliches Theater benutzt, in der russischen Zeit diente es als
Statthalterpalais, im Weltkriege war es der Sitz der deutschen
Militärverwaltung und in der Zeit des nach Versailles entstandenen
polnischen Staates das Gebäude des polnischen Ministerrates, in dessen
Mauern jene hochpolitischen Erörterungen und Besprechungen stattfanden,
die nicht zuletzt zum Ausbruch des jetzigen Krieges geführt haben. In
den Fest- und Gesellschaftsräumen des Gebäudes finden die

Einzelwohnzimmer.
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Gemeinschaftsraum.

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großen staatlichen Empfänge statt. Das Haus ist aber auch mit
seinen Wein- und Bierstuben, seinem Kaffeehaus und Gartenrestaurant
Treffpunkt aller Deutschen zu Erholung und Unterhaltung. Auch werden hier und
in drei weiteren Kasinos täglich über 1 100
Gefolgschaftsangehörige des Distrikts in gemütlichen
Räumen verpflegt, so dass sie sich um die Beschaffung ihrer Mahlzeiten
nicht mehr zu sorgen brauchen.
Die Seitenflügel des Deutschen Hauses enthalten neben einigen
Gästeräumen eine Anzahl geschmackvoll und zweckmässig
eingerichtete Wohnzimmer zur Unterkunft von Gefolgsschaftsmitgliedern, die
keinen eigenen Hausstand führen wollen.
[262-265=Fotos] [266] Daneben ist es notwendig
geworden, viele Wohnungen im Deutschen Viertel
nach deutschem Geschmack einzurichten, sie mit Möbeln,

[264] Gefolgschaftsheim in der
Karowastrasse.
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Vorhängen und Bettzeug auszustatten. Somit ist das Wohnen in
unzulänglichen Hotels nur noch in seltenen Fällen notwendig.
Vor allem wurden zwei grosse Gefolgschaftshäuser mit über 150
Zimmern neu ausgebaut und mit Möbeln schlichten, deutschen Stils
eingerichtet, so dass im Rahmen kleiner Wohngemeinschaften jeder ein
behagliches Wohnschlafzimmer, oft auch noch einen gemeinschaftlichen
Wohnraum zu seiner Verfügung hat. Diese Einrichtung erfreut sich
allgemeiner Beliebtheit und hat sich im Lauf der Zeit als sehr zweckmässig
bewährt.

Klubheim der Deutschen
Sportgemeinschaft
"Palais Brühl".
[267]
Weichselregatta in Warschau.

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Noch notwendiger als in Warschau war die Schaffung solcher
Gemeinschaftshäuser in den kleinen Städten, wo es den
Kreishauptleuten gelungen ist, trotz primitivster Umgebung in teilweise geradezu
vorbildlicher Weise für Wohnkultur zu sorgen.
Neben der Versorgung mit Wohnungen und Verpflegung wurden aber noch viele
andere Dinge notwendig, z. B. die Einrichtung deutscher Geschäfte mit
normalen Preisen, die Schaffung einer Krankenstube zum Ersatz für die
fehlende häusliche Pflege, Annahmestellen von Wäsche und
Schuhreparaturen in den Dienststellen, Ermöglichung von Diätkost
und Höhensonnenbestrahlungen, Eröffnung einer Schneiderstube, in
der jeder weibliche Angestellte sich selbst die Kleidung nähen kann,
Bereitstellung eines Erholungsheimes in schöner Umgebung. Sogar eine
deutsche Strassenbahnlinie musste eingerichtet werden, damit die Deutschen
nicht zu stark in Berührung mit der polnischen Bevölkerung
kommen.

Tennisanlagen im Agricolapark.
[268]
Schwimmanlage im Agricolapark.

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Die Schaffung angemessener Lebensbedingungen ist aber nur der Anfang der
Betreuung. Es gilt darüber hinaus, den deutschen Menschen geistige
Anregung zu verschaffen, um ihn für den täglichen kraftzehrenden
Einsatz unter fremden Volkstum fähig und stark zu erhalten. Diese grosse
Aufgabe hat die Abteilung Propaganda im Zusammenwirken mit der Partei in
vorbildlicher Weise gelöst, wie im einzelnen im nächsten Artikel
geschildert wird.
Weiter nimmt der Sport einen grossen Teil der Freizeit in Anspruch. Es ist in den
Jahren des Aufbaues viel für die körperliche Ertüchtigung der
Deutschen getan worden. So wurden zur Ausübung der verschiedenen
Sportarten geschaffen: Das Klubheim an der Weichsel mit günstiger
Gelegenheit zum Segeln, Rudern und Paddeln, der Agricolapark mit seinem

Turnierplatz Warschau.
[269]
Schalke 04 spielt gegen Warschau.

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neuen Schwimmbassin, schön gelegenen [267-269=Fotos] [270] Tennisplätzen und
Sportanlagen für Leichtathletik und Schiessen, ja sogar für den
Wintersport das Hallenschwimmbad in der Y. M. C. A.
und nicht zuletzt der Reit- und Turnierverein, der sich reger Teilnahme erfreut.
Trotz mancher Schwierigkeiten war es immer wieder möglich, durch
gemeinschaftliche Ausflüge, Besichtigungen oder schöne Fahrten
auf der Weichsel der Gefolgschaft einen Einblick in Landschaft und Leben und
die alte deutsche Kultur des Weichselraumes zu vermitteln.
Mancher Kameradschaftsabend in Frische und Fröhlichkeit, schöne
Weihnachtsfeiern und Kinderfeste haben dazu beigetragen, dass die hier
tätigen, aus allen Gauen des Reiches kommenden Deutschen zu einer
geschlossenen Gemeinschaft geworden sind.
 
Warschau unter deutscher Herrschaft
Deutsche Aufbauarbeit im Distrikt Warschau
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